Zeller Wolkenstierer (Wolkenstürer) – Kunst des Großvaters „digitalisiert“, mit Adrian Roßner „aktualisiert“

Das Leben ist eine Kunst – in diesem Falle die, des Großvaters. Ob „Opa Robert“ wohl von oben zuschaut, was Tochter und Enkelin mit seiner Kunst so treiben? Wir wissen es nicht. Nach dem erfolgreichen Waldstein-Shirt geht die Serie der Fichtelsachen nun in die nächste Runde und einen Schritt weiter am nördlichen Rand des Hufeisens entlang. der Weg führt diesmal nach Zell. Genauer gesagt zu “ die Zeller Wolkenstierer“.

Die Zeller Wolkenstierer, digitalisiert und aktualisiert zum Nachlesen.

Opa Robert war ein Künstler. Bereits mit unserem Waldstein-Shirt ließen wir die Kunst des „Siebdruck-Vorfahrens“ wieder aufleben (zum Artikel). Jetzt möchten wir mit den Zeller Wolkenstierern nachlegen. Wir digitalisierten Opas Kunst – denn die Wolkenstierer wurden auf einer seiner „Jupp-Karten“ verewigt. Aber da gibt es noch etwas – mehr als nur Heimatliebe. Monate der Trockenheit liegen hinter uns – und das in einer Region, die als kalt und nass verrufen ist? So manch ein Landwirt hat sich in diesem Sommer schon einen Wolkenstierer gewünscht…fragen wir doch mal Heimat-Ikone Adrian Roßner was es so (aktuell gesehen…) mit den Zeller Wolkenstierern auf sich hat.

 

 

Viel Spaß beim Lesen

Zeller Wolkenstierer am Puls der Zeit – dank Adrian Roßner

Vor vielen hundert Jahren lebten die Zeller in Saus und Braus – sie hatten ausreichend Vieh auf den Weiden stehen, die Wälder lieferten ihnen genügend Wild zum Jagen und Holz zum Heizen. Kurzum: Es war eine schöne, heile Welt für die kleine Waldsteingemeinde.

Eines Tages jedoch sah man sich einem Problem gegenüber, das diese Idylle zu zerstören drohte – eine Hitzewelle machte nicht nur den Zellern, sondern auch den Bewohnern der umliegenden Dörfer zu schaffen. Wie andernorts auch, wurde das Futter für die Tiere langsam knapp, die Bäume verdorrten und ringsum verwandelte sich das einst so fruchtbare Land in eine vertrocknete Brache. Damals hatten die Menschen für dieses Phänomen keine Erklärung und so beschloss man, sich in einer außerordentlichen Gemeindeversammlung um eine Lösung zu kümmern.

Die Zeller trafen sich demnach am späten Abend in einem der Wirtshäuser und ließen ihren Gedanken freien Lauf: So gut wie alles und jeder wurde als Verursacher dieser Umweltkatastrophe verdächtigt. Neben Petrus, der es anscheinend nicht mehr gut mit den Zellern zu meinen schien und einigen anderen Heiligen, die über vielerlei Umwege etwas mit dem Wetter zu tun haben könnten, standen auch hier und da immer wieder Leute auf, die andere Erklärungen hatten. Unter den Bürgern, die ihre Gedanken mit der Gemeinschaft teilten, befand sich einer mit einer ganz sonderbaren Idee: „Iich glaab jo, mir hamm durch unnern Ausstoß vo CO2 in Verbindung mit die Methanemissionen vo die Rindviecher des Gleichgewicht o Gasen in der Erdadmosphäre kombledd durcherernanner gebrochd und deswecher kenna etzert mehr UV-Strohln auf die Erdn kumma und es vollzieht sich a Klimawandel.“

Mit solch absurden Einfällen konnten die Zeller jedoch verständlicherweise nichts anfangen. Nach langem hin und her stand schließlich ein Mann auf, der sich bis dato höflich zurückgehalten hatte und sagte: „Es iss doch ganz gloor, dass des Wedder woss mit denna Wolgen zu doo hodd, die seid einicher Zeid ieberm Haaberch hänga – die senn nämlich vill zer dicht zamm und deswecher isses doch aa ka Wunner, dass des Wasser net durch kummt.“ Diese Erklärung fand sofort den Zuspruch der Zeller Bevölkerung, der auch direkt eine Lösung für das Problem einfiel: „Mer misserd die Wolgn mit aana longa Stanga a wengla auserannerschiehm“.

Schon am nächsten Morgen brach das gesamte Dorf in aller Frühe auf, um mit langen Stangen und anderen Gegenständen die Wolken durch Rühr- und Schiebbewegungen auseinander zu stüren und nach fast einer Woche wurden die Zeller schließlich belohnt: Es begann zu regnen. Erst waren es nur ein paar Tropfen, doch mit der Zeit entwickelte sich ein richtiger Wolkenbruch, der die Ländereien rund um Zell wieder in blühende Landschaften verwandelte. Allerdings regnete es beinahe ununterbrochen und aus dem anfänglichen Segen wurde bereits nach kurzer Zeit ein Fluch: Die Tiere ertranken auf den Weiden, ganze Waldstücke wurden überflutet und Häuser drohten von den Wassermassen weggespült zu werden. Die Lösung der Zeller: „Es is doch ganz eifoch – mir hamm schlichtweg zu orch gschdürd und deswecher kenna die Wolgn etzter des Wasser nimmer haldn“.

Man einigte sich schließlich darauf, am nächsten Tag wieder auf den Haidberg zu ziehen, um die Wolken mithilfe der altbewährten Stangen etwas näher zusammenzuschieben. Nach erneut mehr als einer Woche Arbeit hatten es die Zeller geschafft und ein gutes Gleichgewicht aus Regen und Sonnenschein hinbekommen. Sie tragen seitdem den Namen „Wolkenstürer“ und sind als Wettermacher des Fichtelgebirges auch über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Eine Sache jedoch darf man ihnen nicht zur Last legen: Sollte es einmal bei Wiesen- oder Gartenfesten regnen, tragen sie keinerlei Schuld – schon vor Jahrhunderten nämlich wurden die Stür-Stangen von den Sparneckern gestohlen; so jedenfalls erzählt es die Sage.

© Adrian Roßner

 

Mit Adrians Erlaubnis bringen wir den Text auf’s Shirt. So wird aus analoger Kunst etwas digitales sowie aktuelles. Die Geschichte darf & sollte uns zum Nachdenken, Innehalten und „langsamer machen“ anregen.

Die Jupp Karte, das Original – analog.

Die Wolkenstierer, kombiniert mit aktuellem „Gschichtla“

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.